Zähneknirschen (Bruxismus) – Ursachen und Behandlung

Viele Betroffene sind überrascht, wenn sie beim Zahnarzt die Ursache ihrer Schmerzen erfahren: Bruxismus, das unbewusste Aufeinanderpressen und Aneinanderreiben der Zahnreihen, besser bekannt als Zähneknirschen.

Das Knirschen mit den Zähnen geschieht oft nachts im Schlaf (Schlafbruxismus), kann aber auch tagsüber vorkommen (Wachbruxismus). Von ihrem Zähneknirschen erfahren viele Patienten erst, wenn die mechanische Belastung schmerzhafte Verspannungen und andere Symptome hervorruft.

Zähneknirschen: Ist Stress die Ursache?

Im Volksmund „beißt man die Zähne zusammen“, um Belastungen besser auszuhalten. Zähneknirschen wird den sogenannten Parafunktionen zugeordnet, zu denen auch Fingernägelkauen oder Daumenlutschen zählen. Als parafunktional gilt in der Zahnmedizin ein Gebrauch des Kauorgans, der nicht seiner biologischen Funktion (Zerkleinerung der Nahrung) entspricht. Betroffen sind sowohl Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche. Bruxismus kann schon bei Babys auftreten, sobald die ersten Zähnchen durchbrechen. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter ab. Bei Senioren wird Zähneknirschen selten beobachtet.
Die Ursachen des Bruxismus sind unklar. Fachleuten zufolge ist die Ätiologie multifaktoriell bedingt, das heißt bei der Entstehung dieser Parafunktion spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Welches die Risikofaktoren sind, ist noch nicht hinreichend geklärt. Es fehlen Ergebnisse aus longitudinalen Studien (Verlaufsstudien) zur Identifikation von Risikofaktoren.

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Schäden der Zahnsubstanz können die Folge sein

Zähneknirschen und die damit verbundene Überbelastung des Kiefers können zu einer Reihe von Erkrankungen führen. Häufig treten Zahnschäden infolge unnatürlicher Abnutzung auf. Im Vergleich zur Abrasion (natürliche Abnutzung durch normalen Gebrauch im Laufe des Lebens) ist die Attrition (Abrieb) die übermäßige Abnutzung z. B. durch Bruxismus.

Durch die Attrition nimmt zunächst der Zahnschmelz Schaden, später auch tiefer gelegene Schichten der Zahnsubstanz. Mehrere Millimeter können verloren gehen. Daraus resultieren bei Weitem nicht nur ästhetische Probleme. Die Veränderung der Bisslage ist oft die Ursache einer Fehlregulation des Kiefergelenks und seiner Muskulatur mit weitreichenden Folgen, die als craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) bezeichnet wird. Der Fachbegriff beschreibt eine Asymmetrie zwischen Schädel (Cranium) und Unterkiefer (Mandibula). Der Kiefer ist über Nerven und Muskeln mit der Halswirbelsäule verbunden; die Fehlstellung kann daher zu Schmerzen im Nacken, der Kiefermuskulatur und im ganzen Körper führen. Beschwerden beim Kauen und Schlucken können hinzukommen. Zähneknirschen und die Fehlbelastung des Kauapparats ziehen mitunter auch die Ohrenpartie in Mitleidenschaft; Patienten klagen mitunter über Ohrenschmerzen oder Tinnitus. Außerdem kann nächtlicher Bruxismus die Schlafqualität verschlechtern und so zu Übermüdung und Konzentrations­störungen am Tag führen.

Entspannungsübungen bei Zähneknirschen

Bruximus: Diagnose und Behandlung

Die Diagnose erfolgt in der Regel beim Zahnarzt, der sichtbare Schäden am Gebiss schnell erkennt. Das Diagnosegespräch sollte auch ein psychologisches Screening beinhalten. Die Behandlung kombiniert heute verschiedene Ansätze. Es handelt sich also um eine fachübergreifende bzw. interdisziplinäre Therapie. Neben einer Schienentherapie sind dies: Informationstherapie und Anleitung zu alternativen Bewältigungsstrategien bei Stress. Eine Aufbissschiene (auch Knirschschiene) ist ein Hilfsmittel, das weiteren Abrieb und bisherige Bewegungsmuster verhindern soll, wenn die Zähne schon geschädigt sind. An dem parafunktionalen Verhalten selbst ändert eine Schiene nicht unbedingt etwas; trotz Schiene wird ggf. weiterhin gepresst und gerieben. Deswegen ist das Tragen von Schienen meist eine symptomatische Therapie. Die Schiene ist aber weicher und wird statt der Zähne abgerieben.

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Entspannungsübungen helfen bei Zähneknirschen

Entscheidend zum Schutz vor Zahnschäden bei Bruxismus ist in erster Linie das Bewusstmachen der Angewohnheit. Aufklärung und Information lassen oft die Parafunktion überhaupt erst bewusst werden. Bei Wachbruxismus fällt es leichter, die Neigung im Alltag zu kontrollieren und abzulegen. Entspannungsübungen wie etwa Yoga, Tai-Chi oder Progressive Muskelentspannung können helfen, Stress zu reduzieren, den Schlaf zu verbessern und die eigentlichen Ursachen des parafunktionalen Verhaltens zu beseitigen. Bruxismuspatienten, die über Schmerzen klagen, profitieren außerdem von Übungen zum Lösen der verkrampften Gesichts- und Kaumuskulatur. Diese können mit einem Physiotherapeuten oder auch selbstständig nach einer Anleitung durchgeführt werden. Die chronische Anspannung kann beispielsweise durch gezielte Bewegungen der Zunge oder der Wangen gelockert werden.

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